Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V. - Heimatverein
Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V.  -  Heimatverein

St. Anna Kapelle in Niederense

Die Geschichte der St. Anna Kapelle

Im Jahre 1787 beschlossen die Niederenser Eingesessenen (17 Hausväter), eine Kapelle zu erbauen. Am 10.02.1787 bestellten sie Johann Söbbeler zum Provisor, der für den Bau und das Kapital der Kapelle zu sorgen hatte. Gleichzeitig wollten sie die Kapelle in Dach und Fach halten und die zum Gottesdienst notwendigen Geräte beschaffen.

Die Eingabe legten sie Pastor Krafft in Bremen vor. Schon am 5. Mai 1787 erteilte der Weihbischof von Köln dem Pastor Kraft die Genehmigung, die Kapelle einzuweihen. An Werktagen durfte von nun an auf einem tragbaren Altar(stein) das Messopfer gefeiert werden.

 

1869 wurde der Kirchengemeinde die Kirche in Himmelpforten verkauft. Gleichzeitig erklärten die Niederenser, ihre Kapelle sei baufällig. Sie war 12 Fuß breit, 24 Fuß lang und 121/2 Fuß hoch, in Fachwerk gebaut, teilweise mit Ziegelsteinen ausgebessert, das Dach und der kleine Turm waren mit Holzspänen (Schindel) gedeckt. (Entnommen dem Gutachten des Salineninspektors Wegener, Werl vom 27.06.1869)

 

1870 musste die alte Kapelle abgebrochen werden.

 

Erst 1882 hatte der Kapellenfonds eine große Summe aufzuweisen, so dass ein Neubau der Kapelle angestrebt wurde. Da aber für die Vikarstelle in Himmelpforten Gelder benötigt wurden, Bremen noch keinen neuen Pfarrer hatte und der Weg zur Himmelpforter Kirche nur 8-15 Minuten betrug, wurde der Antrag für einen Neubau abgelehnt. Die Einwohner drängten aber darauf, dass der Fonds für den Kapellenneubau bestimmt sei und ausreiche. Für die Alten und Kranken der inzwischen 500 Seelen zählenden  Gemeinde sei diese Kapelle, das Sanctuarium St. Anna, von Nutzen, auch für die 80 Schüler erwünscht.

 

1884 befürwortete der Landdechant den Antrag beim Generalvikariat.

1885 kam das Grundstück nahe der Schule durch Tausch mit dem Landwirt Heinrich Sörries gt. Schulte in den Besitz der Kapellengemeinde.

 

Schon 1885 war der Rohbau fertig. Im September 1887 teilte der Pfarrer Grümer aus Bremen mit, die Kirche könne umgehend eingeweiht werden. Da man beim Aufbrechen des sepulcum des Altare portatile (Altarstein) keine Reliquien mehr vorfand, bat er um einen neuen Altarstein.

 

Am 22.12.1887 weihte Pfarrer Grümer statt des erkrankten Landdechanten Leifert von Ostinghausen die Kapelle ein.

 

Pfarrer Mönnig aus Westönnen als Dekannachfolger gab in einem Schreiben vom 07.01.1888 an das Generalvikariat Bericht über die Einweihung.

 

Am 24.08.1889 teilte Pfarrer Grümer mit, die neue Glocke läute auch zum Angelus, die Glocke, die Dechant Mönnig am 05.09.1889 eingeweiht hatte.

 

Am 04.12.1889 erfolgte die Schlussabrechnung für die Kapelle unter Einbeziehung von 350 Mark aus dem Pfarrfonds in Bremen. Die Rohbaukosten betrugen circa 3.000 Mark.

 

Am 08.02.1890 teilte Pfarrer Grümer mit, dass ein neues Messbuch angeschafft werden müsse.  Das  aus dem Jahr 1770 stammende Messbuch ist teilweise gerissen und es fehlen die neuesten Messen. Ein neues Messbuch wird circa   40 Mark kosten.

 

Erst 1891 genehmigte das Generalvikariat den Grundstückstausch mit dem Landwirt Sörries.

 

Am 04.12.1891 beantragt Pfarrer Grümer die Anbringung eines Kreuzweges, den der Lehrer Schenuit aus dem Besitz eines verstorbenen Geistlichen besorgt hat. Am 15.12.1891 weiht Pater Theodorus den mit Ablässen versehenen Kreuzweg ein.

 

Am 02.05.1908 bittet der Kirchenvorstand um die Genehmigung zur Ausmalung der Kapelle für 400 Mark durch den Maler Carl Bender aus Münster. Neben Reparaturarbeiten wird im Dezember 1908 auch ein Weihwasserbecken aus Marmor für 27,30 Mark angeschafft.

 

Am 28.10. 1909 bat der Kirchenvorstand um die Genehmigung eines neuen Kreuzweges, da der alte durch Holzwürmer zernagt war. Es wurde ein neuer für 84 Mark gekauft und am 17.11.1909 durch Pater Bange eingeweiht.

 

1911 wollte man die Kapelle als Schulraum nutzen, dieses wurde jedoch vom Generalvikariat abgelehnt.

1912 musste ein neuer Fußboden in der Kapelle verlegt werden. Die Kosten beliefen sich auf 750 Mark.

 

Pfarrer Dinkloh notierte 1929 bezüglich der St. Anna Kapelle folgende Aufzeichnungen:  Heilige Messe wird an vier Tagen im Jahr und zwar Anna, Hubertus, Luzia und Agatha abgehalten.

Innenraum der St. Anna Kapelle Foto: © Antonius Risse

Am 16.Mai 1943 wird mit der Zerstörung der Möhnetalsperre durch englische Fliegerbomben auch das Kloster Himmelpforten weggespült. Die St. Anna Kapelle wird als Pfarrkirche genutzt. Pastor Josef Berkenkopf ist in den Fluten umgekommen. Sein Nachfolger wird der aus Lünen stammende Pfarrer Josef Manhenser.  Die Kapelle wird wegen der großen Bevölkerungszahl vergrößert. Man baute die leicht gewölbte Decke heraus, um einen höheren Raum zu gewinnen. Eine Empore wurde eingebaut, auf der man auch eine kleine Orgel aufstellte. Außen baute man aus Holz eine Sakristei mit einem Vorraum als Windfang.

 

Ein neues Kapitel brach 1949 für die St. Anna-Kapelle an. Dechant Anton Berges, der für den inzwischen versetzten Pastor Manhenser am Heiligen Abend 1944 die Gemeinde übernommen hatte, stellte auf Anfrage von Frau Luise Zantner den evangelischen Christen in Niederense die Kapelle zur Gottesdienstfeier zur Verfügung. In der Zwischenzeit war für die katholischen Christen eine neue Pfarrkirche St. Bernhard gebaut.

 

1953 fand die erste Konfirmation in der St. Anna Kapelle statt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch eine 1,00 m hohe Holzumrandung. Diese sollte die aufsteigende Feuchtigkeit verdecken.  Wann die Holzumrandung abgerissen wurde, ist nicht festzustellen. Hierüber gibt es keine Aufzeichnungen.

 

Am 19.03.1978 wurde vertraglich die Vermietung der St. Anna Kapelle an die evangelische Kirchengemeinde vereinbart. Das Gotteshaus erfuhr eine gründliche Renovierung. Die Kosten beliefen sich auf ca. 50.000 DM, die von den evangelischen Christen aufgebracht wurden. Die Inneneinrichtung, wie Kirchenbänke, Altar, Kanzel und Taufbecken wurden vom Friedenshort in Bremen übernommen.

Eine Besonderheit wird in der St. Anna Kapelle sicherlich sofort auffallen. Es befindet sich im Altarraum ein Kreuz an der Stirnseite und seitlich zwei Heiligenfiguren (hl. Phlippus und hl. Nepomuk), die früher einmal ihren Platz in der Klosterkirche Himmelpforten hatten und bei der Möhnekatastrophe  1943 mit den reißenden Wassermassen als verschollen galten. Lange Zeit später wurden das Kreuz und die Heiligenfiguren bei Arbeiten aus den Gröll- und Schlammmassen wiedergefunden. Das Kreuz war fast unbeschädigt, bei den Figuren fehlte jeweils die linke Hand. Seit 1978 befinden sich die Figuren in der St. Anna Kapelle.

 

Foto: © Antonius Risse

Der Zahn der Zeit hat auch vor der Anna Kapelle keinen Halt gemacht. Im Mai 2007 verkündete der amtierende Pfarrer Josef Dohmann, dass die St. Anna Kapelle renovierungsbedürftig sei. Gelder zur Renovierung standen nicht zur Verfügung.  Pfarrer Dohmann, so war in der Zeitung zu lesen, deutete als allerletzten Vorschlag an, die Kapelle abzureißen und die Steine für den Bau einer Kapelle auf Himmelpforten zu verwenden.

 

Dies forderte den Widerstand der Niederenser Bevölkerung hervor. So kam es 2007 zur Gründung des Fördervereins St. Anna Kapelle. Die 90 Mitglieder des Vereins setzen sich aus evangelischen und katholischen Christen zusammen mit dem Ziel, Finanzmittel  für die Sanierung, Restaurierung und Erhaltung der Kapelle zu beschaffen.

 

Durch die große Spendenbereitschaft der Enser Bevölkerung, Handwerkern  und Vereinen und Veranstaltungen des Fördervereins konnte  mit den ersten Renovierungsmaßnahmen 2010 begonnen werden. Dach und Außenfassade wurden mit einem Kostenaufwand von 30.000 € in einen ordentlichen Zustand versetzt.

 

Seit 2011 wird die Anna Kapelle neben den evangelischen Christen, auch von katholischen Christen, insbesondere in der Winterzeit mitgenutzt.   

Die St. Anna Kapelle wird 2015 unter Denkmalschutz gestellt.

 

Gemeinsam mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Denkmal-Schutzprogramm des Bundestages, des Fördervereins St. Anna-Kapelle und der katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus wurde die Innensanierung  2017 begonnen und 2018 vollzogen.

 

Heute wird die St. Anna Kapelle von katholischen und evangelischen Christen für hl. Messen und Gottesdienste, sowie für Konzerte, Lesungen und Vorträge regelmäßig genutzt.

 

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