Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V. - Heimatverein
Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V.  -  Heimatverein

Hochwasser vor 50 Jahren

Es war Samstag, der 15. Juni 1968, heiß und schwül in den Mittagsstunden. In Höingen feierte der Musikverein sein Jubelfest. Kurz nach 16 Uhr fielen die ersten Tropfen, als sich der Himmel schwefelig gelb verfinsterte und ein Unwetter mehrfach über den Haarstrang zog. Ein wolkenbruchartiger Regen sorgte dafür, dass der Bremer Bach zu einem reißenden Fluss wurde und den Ortskern überflutete. Alle Ortschaften die sich nördlich und südlich vom Haarstrang befinden wurden durch die hereinströmenden Wassermassen empfindlich getroffen und teilweise durch Schlamm und Geröll geschädigt, Bäume wurden entwurzelt, Keller, Höfe und Geschäftsräume liefen voll Wasser, Häuserteile weggerissen.

In der Bäckerei Klapp stand die Hochwassermarke bei weit über einem Meter. Alle Maschinen waren in Mitleidenschaft gezogen und mussten größtenteils wegen erheblicher Wasserschäden ersetzt werden. Bei Rewe und EDEKA mussten die mit Lebensmitteln gefüllten Regale in den Geschäftsräumen ausgeräumt werden. Bei Klenter verschwand die Grundstücksmauer im hochstehenden Wasser. Die Spar- und Darlehnskasse waren nur durch knietief stehendes Wasser erreichbar.  Abgestellte Autos, vom Wasser teilweise weggeschwemmt, sind ebenfalls beschädigt worden.

In Ostönnen starben im weiteren Verlauf des Unwetters vier Menschen in den Fluten.

Um 18 Uhr schien wieder die Sonne, so, als sei nichts gewesen und über der Haar zogen die letzten schweren Gewitterwolken ab.

Quellen: Presseberichte vom 16. Juni 1968, Soester Anzeiger vom 14.06.2013, Auszug aus Ense-Press, Ausgabe 122 – Herbst 2010, Seite 23. Fotos: Archiv Heimatverein

 

Ortsmitte Bremen 1968 - Foto: © Archiv Heimatverein

„Gefahren des Hochwassers“

Thema der Schüler der Konrad-von-Ense Schule

Heute vor 50 Jahren verursachten starke Regenmassen bleibende Hochwasserschäden in der Soester Börde. In Ense waren mehrere Dörfer stark betroffen, so u.a. Bittingen, Gerlingen und der Zentralort Bremen, wo aus dem Bachlauf „Spring“ ein reißender Fluss wurde, die Privathäuser und Geschäfte große Schäden erlitten und die Bewohner hohe finanzielle Folgekosten zu tragen hatten.         

Zwanzig Schüler der Sekundarschule haben dieses Thema der Heimatgeschichte gestern aufgearbeitet und in vier Arbeitsgruppen die Originaldokumente dieser Katastrophe ausgewertet und in persönlichen Gesprächen mit Zeitzeugen deren Betroffenheit kennengelernt.

Adolf Tölle – damals 28 Jahre -  konnte eindrucksvoll berichten wie die Wassermassen sein Elternhaus – jetzt Standort Tierbrunnen - Rathaus – durchflutet  und massive Schäden verursacht haben. Er persönlich habe die Matratzen bergen können, um noch einen Schlafplatz zu haben. Lambert Hellmann hat als 17jähriger weinend mitansehen müssen wie selbst erstellte Lebensmittel wie Eingemachtes u.a. von der Flut weggespült worden sind und die Hühner im Hof gefährdet waren; er fing die Hühner einzeln ein und brachte sie über die Leiter auf den Dachboden. Die verstörte Hühnerschar warf dort einen offenen Farbeimer mit brauner Farbe um und so wurde aus weißen Hühnern braunes Geflügel; die Eierfarbe aber habe sich nicht geändert, so die noch humorvolle Anmerkung von Lambert Hellmann. Der Maschinenpark der Bäckerei Klapp wurde total zerstört und alle Handwerkszeuge wurden unbrauchbar. Torten, Eier und frisches Gebäck verließen schwimmend das Fachgeschäft in der Dorfmitte – im Erdgeschoß konnte nichts gerettet werden. Mitarbeiter und Angehörige der Bäckerfamilie Klapp konnten nur die Schäden beseitigen, wieder neu einrichten und die Arbeit im Betrieb wieder aufnehmen.

Die Schuhmacherwerkstatt von Heinrich Hering wurde durchflutet weiß Ingrid Becker – damals 13 Jahre – zu berichten. Ihre Geschwister und die Eltern und Großeltern erlebten dramatische Stunden. Paul Schulte – 14 Jahre – verlor auf dem Weg zum Elternhaus seine Tuba, das große Musikinstrument lief mit Wasser voll.

Parkende Autos in der Ortsmitte wurden von den Wassermassen weggerissen und stark beschädigt. Der Wasserstand erreichte eine Höhe weit über einen Meter; Eigentümer, helfende Nachbarn und Fachkräfte wie Feuerwehr und Handwerker waren bis zur Erschöpfung im Einsatz.                                                                                 

Nach der schriftlichen Projektarbeit im Heimathaus trafen sich  Schüler und Lehrer Daniel Keil mit den Zeitzeugen in der Dorfmitte, um den Ort der Katastrophe aus heutiger Sicht zu sehen. Dieses „Hochwasser-Projekt“ haben Schüler, Lehrer Daniel Keil und der Heimatverein Bremen gemeinsam vorbereitet und durchgeführt.

Ortsmitte Bremen 1968 - Foto: © Archiv Heimatverein
Bittingen nach dem Hochwasser 1968 - Foto: © Archiv Heimatverein

Und der Himmel verfärbte sich                                                                 

„Heiß, schwül war es in den Mittagsstunden. In Büderich feierte man Schützenfest, in Höingen feierte der Musikverein sein Jubelfest, und an manchen anderen Orten gaben sich die Menschen an diesem Sommersonntag dem frohen Treiben oder der Ruhe nach anstrengender Wochenarbeit hin. Kurz nach 16.00 Uhr, wir waren in Büderich bei der Schützenparade, fielen die ersten dicken Tropfen. Schwefelgelb verfärbte sich der Himmel, und als uns unsere Fahrt nach Höingen zum Jubelfest führte, kamen erste schwere Hagelschauer. Es goss in Strömen und über den nachtdunklen Himmel zuckten Blitze in allen Richtungen.   Zur gleichen Zeit saßen in Gerlingen die Angehörigen der Familie Schäfer in dem Dachfirst des Viehstalles, in Bittingen war ein Wagen von einem Doppelmast der Überlandleitung festgeklemmt worden. Die beiden Insassen waren hilflos dem Wüten der Wassermassen ausgesetzt. Sie und weitere Menschen konnten unter Einsatz des Lebens durch Feuerwehr, Bundeswehr und andere Helfer gerettet werden. In Ostönnen wurden drei Frauen und ein kleines Mädchen Opfer dieser großen Flutkatastrophe. Vieh ertrank in großer Zahl. Allein in Bittingen auf dem Hof Brunnberg waren es mehr als 100 Schweine, die in den reißenden Fluten umkamen.“

 Quelle: Lokale Nachrichten - Beobachter

 

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