Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V. - Heimatverein
Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V.  -  Heimatverein

Heiligenhäuschen und St.-Josef-Kapelle in Höingen

Heiligenhäuschen mit Bildstock - Foto: © Haase

Heiligenhäuschen


Das Heiligenhäuschen wurde 1691 von den Höinger Bewohnern gebaut und ist damit das älteste Höinger Bauwerk. Es ist überliefert, dass der Bildstock zur Erinnerung und zum Dank für die Überwindung schwerer Krankheitsepidemien – Pest und Cholera – errichtet wurde. Das Heiligenhäuschen hat in den letzten Jahrhunderten mehrfach den Standort am heutigen Dorfplatz  gewechselt und wurde 1973 komplett in Stand gesetzt.

Der Standort für das Heiligenhäuschen am heutigen Dorfplatz wurde wahrscheinlich deshalb gewählt, weil der Platz als Sammelplatz der Aussätzigen benutzt wurde. Von diesem Ort ging es dann zum Gut Moosfelde, das zur Aufnahme der Todgeweihten bestimmt war.

Im Inneren des Bildstocks steht die heilige Familie mit den Schutzengeln. Er trägt die Inschrift: „Anno 1691 den 12. September hat dieses das Dorfschaft Höingen zu Ehren Jesu und Mariä setzen laszen“.

Kapelle St. Josef Höingen - Foto: Boris Golz © 2013

Kapellengeschichte St. Josef Höingen


Die erste Kapelle wurde 1750 aus Fachwerk (20 Fuß lang und 15 Fuß breit) gebaut und war den Heiligen Josef, Hubertus, Agatha und Luzia geweiht.  Sie wurde auf Gemeindegrund an erhöhter Stelle zwischen Oberhöingen und Niederhöingen errichtet. Erst im 19. Jahrhundert sind die beiden Ortsteile zusammengewachsen. Heilige Messen wurden viermal im Jahr zu den Festen der o.g. Heiligen gelesen. Die Kirche hatte schon einen kleinen Turm, in dem seit 1768 eine kleine Glocke hing. Diese Glocke, 1968 auf den Namen St. Lucia geweiht, dient heute noch als Klepp- und Wandlungsglocke. Am 28. Juni 1761, während des Siebenjährigen Krieges,  stand die Höinger Kapelle im Mittelpunkt eines Gefechts zwischen der Légion Britannique und den Franzosen. Welche Schäden die Kapelle in dem Gefecht davon getragen hat, ist nicht überliefert.

Kapelle St. Josef Höingen - Foto: Boris Golz © 2013

1897 wurde die baufällige und zu klein gewordene Kapelle abgerissen und durch eine neue ersetzt. Auch  diese Kapelle wurde durch Spenden und Eigenleistung der Höinger Dorfgemeinschaft finanziert und erbaut. Die Glocke von 1768 wurde weiterhin als Glocke genutzt. Ab Mitte der 1920er Jahre wurden dann regelmäßig  eine Sonntagsmesse und mindestens eine Werktagsmesse wöchentlich in der Kapelle abgehalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwies sich auch diese Kapelle für die auf ca. 650 Seelen angewachsene Gemeinde als zu klein. Eine Erweiterung der vorhandenen Kapelle lohnte sich aufgrund der Baufälligkeit nicht mehr und so wurde 1956 beschlossen, die Kapelle abzureißen.

Am 16. März 1957 erfolgte der Spatenstich für die heutige Kapelle. Nach nur ca. einem Jahr konnte die Kapelle feierlich am 7. September 1958 eingeweiht werden, die noch heute ein Zeugnis über den Gemeinschaftssinn der Höinger ablegt. Die Kosten von 120 000 DM wurden durch Spenden  finanziert und alle Arbeiten erfolgten in Eigenleistung der Bevölkerung. Seit dem Neubau der Kapelle befindet sich über dem Eingang an der Nordseite ein rundes Glasfenster, das den Zimmermann Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm zeigt. Der Junge, der trotz seines Alters bereits die Züge eines Erwachsenen trägt, hält in der linken Hand den Reichsapfel als Symbol der weltlichen Macht.

Am 22. Dezember 1963 wurde die Orgel eingeweiht und 1968 wurden neue Glocken angeschafft, die auf die Namen St. Josef, St. Hubertus und St. Agatha geweiht sind. Die neuen Kirchenbänke kamen im Jahr 1973 in das Gotteshaus. 1984 wurde eine neue Heizung installiert. Bei den Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten in den Jahren 1997/98 erfolgte ein neuer Außenanstrich.

Zum 250. Geburtstag der der Kapellengemeinde St. Josef Höingen wurde ein Wegekreuz, das sich seit mehr als 100 Jahren im Besitz der Familie Hubertus Ebel befindet, als Leihgabe an die Kapelle gegeben. Fachleute schätzen das Alter des Wegekreuzes auf ca. 500 Jahre. Die Größe des Korpus ist bezüglich seines Alters untypisch und entsprechend selten zu finden. Die Herkunft des Kreuzes lässt sich nicht mehr genau verfolgen. Es besteht die Annahme, dass dieses Kreuz zuerst im Kloster Wegeringhausen, an das die Höinger Bauern Abgaben zu leisten hatten, gestanden hat. Aufgrund der Untersuchungen des Kreuzes ist davon auszugehen, dass es danach im Freien gestanden hat. Wahrscheinlich stand es lange Zeit zwischen Höingen und Niederense, da es dort heute noch eine alte Flurbezeichnung „Zum großen Herrgott“ gibt. Bevor das Kreuz im Jahre 2000 den Weg an die linke Wand des Altarraums der St. Josefs-Kapelle fand, wurde es komplett restauriert.

Foto: Boris Golz (Ausschnitt Rundfenster) © 2013

Im Jahre 2005 wurde der Innenraum der St. Josefs-Kapelle komplett renoviert. Ziel war es, die gesamte Kapelle heller, freundlicher und einladender zu gestalten. Der Gesamtentwurf für die Neugestaltung der Kapelle wurde von dem Künstler Egon Stratmann aus Hattingen erstellt. Die Finanzierung dieser großen Renovierung erfolgte durch Zuschüsse des Erzbistums Paderborn und der Pfarrgemeinde St. Lambertus sowie erneut durch Spenden und große Eigenleistungen der Höinger Bevölkerung.

Folgende Arbeiten wurden u.a. durchgeführt:
- Vergrößerung des Eingangsbereichs außen sowie Errichtung eins barrierefreien Zugangs
- Neugestaltung des Eingangsbereich innen (Austausch von Holz in Glas)
- Überholung der Orgel
- der Chorraum wurde neu gefliest
- die Brüstung der Empore erneuert
- Unterteilung der Unterzüge
- Vergrößerung des Altarraums mit der Versetzung des Altars nach vorne
- neuer Innenanstrich sowie neue Farbgestaltung des Kreuzweges und der Darstellung der Maria und des Josefs an den Wänden des  Altarraumes

Außerdem wurde das Wegekreuz in die Mitte des Altarraumes gesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt war ein Wandbild des auferstandenen Jesus, der drei Finger der rechten Hand zum Friedensgruß erhebt, Mittelpunkt des Altarraums. In Absprache mit der Höinger Bevölkerung sollte das Wandbild nicht abgetragen werden, daher wurde eine Zwischenwand eingezogen, so dass das Wandbild, wenn gewünscht, zukünftig wieder Mittelpunkt der Kapelle werden könnte.

Ein weiterer wichtige Bestandteil der Renovierung waren die sechs neuen Fenster, die mit ihren figürlichen Einfügungen Beziehungen zur Kirche, Gemeinde und Tradition herstellen sollen.
Die folgenden Personen sind dargestellt:
- der Auferstandene
- St. Lambertus
- Edith Stein
- Mutter Theresa
- Nikolaus von der Flüe

Das sechste Fenster zeigt die beiden Päpste Johannes Paul II. sowie Papst Benedikt XVI. 2004 war eigentlich noch eine Abbildung von Papst Johannes XXIII. geplant. Durch die Ernennung des Papst Benedikts XVI. entschied sich die Kapellengemeinde in Abstimmung mit Egon Stratmann aufgrund der aktuellen Ereignisse kurzfristig zu einer neuen Darstellung auf dem sechsten Fenster. Es ist davon auszugehen, dass in der St. Josefs Kapelle eine der ersten Abbildungen des Papstes Benedikt XVI. zu sehen ist.

 

St. Josef Kapelle Höingen Chorraum - Foto: © Haase
St. Josef Kapelle Höingen - Foto: © Haase

Quellen:

  • Die Geschichte des Kirchspiel Bremen, 950 Jahre, Herausgeber: Helmut Haase, Ense, 2000

  • 325 Jahre Schützenbruderschaft St. Josef, Herausgeber: St. Josef Schützenbruderschaft Höingen, Ense, 1978

  • 350 Jahre Schützenbruderschaft St. Josef, Herausgeber: St. Josef Schützenbruderschaft Höingen, Ense, 2003

  • Pfarrbrief 2004, Herausgeber: Pfarrei St. Lambertus Bremen, Ense 2004

  • Unter Mitarbeit der Heimatfreunde Höingen, Ense 2015

  • Gespräch mit dem Mitglied des Kapellenvorstandes Josef Pantel, Ense 2015

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