Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V. - Heimatverein
Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V.  -  Heimatverein

Die Pfarrkirche in Bremen

Pfarrkirche St. Lambertus-Ense-Bremen Foto: A.Risse © 2012

Die Kirche ist spätestens im 12. Jahrhundert, möglicherweise auch bereits um 1050 im romanischen Stil erbaut worden. Sie hat sicherlich schon eine Vorgängerin gehabt, denn schon um 950 gilt Bremen als Stammpfarrei für 14 an der Haar gelegene Dörfer. 1085 inkorporierte der Kölner Erzbischof Sigewin die Bremer Kirche dem St. Georgenstift Köln. 1149 erhielt die Kirche das Recht, ihren Pfarrer selbst zu wählen.

Über den Bau der Kirche liegen keine Berichte vor.

Zuerst war sie nur ein einschiffiges Kirchlein. Danach wurden im Stil einer Basilika wohl die Seitenschiffe und ein niederer Turm zugefügt. Als man die Seitenschiffe anlegte, wird man das Mittelschiff erhöht und das Flachdach durch ein Gewölbedach ersetzt haben. Analog wurde der Turm aufgestockt. Um Licht in den Raum einzulassen, sind die schmalen romanischen Fenster in der Barockzeit erweitert und durch einen flachen Bogen (Korbbogen) abgeschlossen worden.
Im romanischen Teil wurde die Kirche aus Grünsandstein erbaut.
1732 wurde die Kirche durch ein Kreuzschiff mit angesetztem Chor nach Osten hin erweitert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieser angebaute Teil wieder abgebrochen. Stattdessen entstand ein hochgotischer Erweiterungsteil mit entsprechendem Chor. Somit kann Bremen heute eine besondere Kombination von altromanischer und neugotischer Bauweise vorweisen.

Betrachtet man den Turm etwas näher, so fällt die asymmetrische Anordnung der Schalllöcher auf, einige davon sind durch schmale romanische Säulen geteilt, andere bestehen aus einem Schlitz.
An der Westseite im späteren Turmvorbau steht eines der alten Kirchenportale von Säulen umrahmt und mit einem bedeutsamen Tympanon im Bogenfeld. Die Darstellung deutet den Tod des Erlösers.

Das Tympanon über dem Südportal der alten Kirche gilt als eine der ältesten Krippendarstellungen Westfalens (um 1100). Die Muttergottes ist liegend dargestellt, links daneben ein anbetender Hirte, rechts der heilige Josef mit seinem zweiteiligen Bart.

Tympanon - Foto: Haase © 2006
Pfeiler, Säulen, Säulenkapitelle - Foto: Haase © 2006

Verwitterte Gesichter zieren links und rechts die Säulenkapitelle. Zwei uralte Gestalten an den Portalseiten - links ein Mann mit Axt, rechts eine Gestalt mit einer Keule - bewachen den Eingang zum Heiligtum. Es gibt verschiedene Deutungen der Darstellungen.
Die einen sehen darin heidnische Gottheiten, den germanischen Gott Donar links und die germanische Göttin Freia rechts, andere möchten sie sogar christlich als Adam und Eva mit Hacke und Spinnrocken gedeutet wissen.
Im Inneren treffen wir auf mächtige Pfeiler und Säulen, die wechselnd das schwere Gewölbe stützen. Auf der Südseite sind die Säulen gekuppelt, im Norden nur einfach, ihre Kapitelle sind mit Ornamenten und Gesichtern versehen.
Im alten Teil der Kirche zum Turm hin befindet sich über dem Bogen eine Kreuzigungsgruppe - wahrscheinlich von einem früheren Hochaltar. Das Kreuz wird flankiert von Maria und Johannes. Seitlich der Gruppe sind zwei Franziskaner, links wahrscheinlich der hl. Franziskus und rechts der hl. Antonius. Darüber sieht man eine schöne himmelfahrende Madonna, umringt von Engeln, die sie aufwärts tragen. Die Figur stammt ohne Zweifel von einem ehemaligen Marienaltar und ist ein Schmuckstück für die ganze Kirche. Zu den bekanntesten Darstellungen in der Kirche gehört die Strahlenmadonna, eine Doppelmadonna, aus barocker Zeit.
Der heilige Lambertus, der Schutzheilige des Bistums Lüttich, ist auch der Patron der Bremer Kirche. Die Darstellung zeigt ihn mit dem Bischofsstab und der Mitra und seitwärts trägt ein Engel die Lanze, mit der der Heilige ermordet wurde.
Der Übergang vom romanischen Teil der Kirche zur neugotischen Halle mit Chor und dem neugotischen Altar wurde architektonisch gut gelöst: Der neue Teil fügt sich dem alten wohltuend an.

Die steinerne Kanzel - Foto: Antonius Risse © 2012

Gelungen ist die steinerne Kanzel mit den herausgearbeiteten Figuren, die die abendländischen Kirchenlehrer verkörpern. Hieronymus und Augustinus, Ambrosius (es könnte auch der hl. Bernhard sein) und Gregor der Große. Der Bischof Hippo rätselt an den Geheimnissen Gottes. Papst Gregor will sich anschicken zu predigen, Bischof Ambrosius hat einen Bienenkorb bei sich, das Symbol der Weisheit Gottes.
Die Gewölbe sind Netzgewölbe und nach alten Vorbildern ausgemalt. Rippen aus schönem, warmem Sandstein überwölben den hellen Raum. Besonders reichhaltig ist die Malerei in der Höhe über dem Zelebrationsaltar, in dem die Reliquien des hl. Lambertus ruhen. 1973 wurde der Bremer Pfarrei durch den Bischof von Lüttich eine Reliquie überlassen. Seitdem fällt der Blick sofort auf den Lambertusschrein. Die Vorderseite zeigt das Bild des Heiligen, die Rückseite die Lütticher Kathedrale und die Kirche in Bremen. Leuchtende Halbedelsteine verzieren die schöne Goldschmiedearbeit.

Hochaltar - Foto: Antonius Risse © 2012

Der Hochaltar, der dem Geheimnis der Eucharistie geweiht ist, enthält als Darstellungen die Brotvermehrung und die Abendmahlsszene, den Apostel Paulus und den Apostel Johannes mit dem vergifteten Kelch und den gekreuzigten Herrn, umrahmt von Engeln. In den Fenstern des Chorraumes werden Weihnachten, Golgatha, das Gloria des Auferstehungsmorgens und rechts Werkzeuge und Symbole aus der Leidensgeschichte gezeigt. In den übrigen Kirchenfenstern finden wir Heiligengestalten, nämlich noch einmal den heiligen Lambertus, den heiligen Aloysius, den heiligen Georg und gegenüber die heilige Agnes, die heilige Cäcilia und die heilige Elisabeth. Vorne rechts oben befindet sich ein Bild der Heiligen Familie.

Südansicht, einfache Gewölbe - Foto: A. Risse © 2012
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