Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V. - Heimatverein
Gemeinschaft zur Pflege heimischen Brauchtums im Kirchspiel Ense Bremen e.V.  -  Heimatverein

Das Gräberfeld in Ense-Bremen

Gräberfeld von Ense-Bremen - Foto: © Stephan Deiters

Das Gräberfeld wurde im Jahre 1961 bei Lehmabbauarbeiten zufällig entdeckt. Die ältesten Funde einer Besiedlung wie Pfeilspitzen, Beile und Überreste von Alltagsgegenständen stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 5500-2000 v. Chr.).

Von der späten Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter wurde der Platz als Gräberfeld genutzt.  Die jüngsten Funde stammen aus der Merowingerzeit (ca. 500 bis 750 n. Chr.).

Bei den insgesamt 155 Gräbern und Grabanlagen handelt es sich bei 107 um Brandbestattungen, die meisten aus der späten Bronze- und Eisenzeit. Dabei wurden die nach der Verbrennung übriggebliebenen Knochenfragmente aufgesammelt und in Urnen aus gebranntem Ton beigesetzt. Es wurden auch Holzgefäße oder Lederbeutel als Behältnisse verwendet. Aufgrund des kalkarmen Bodens blieben auch Reste der Brandbestattungen erhalten, die ohne Gefäß in Gruben verfüllt wurden. Einige der Brandgräber waren eingehegt und wiesen eine Scherbenkonzentration im Sohlbereich auf. Die Einhegungen waren in unterschiedlichen charakteristischen Formen wie Kreisgräben, Schlüssellochgräben und Langgräben angelegt und umschlossen den ursprünglichen Grabhügel in einer Länge bis zu 46 Metern. Diese entstanden dadurch, dass man einen Graben um das Grab aushob und die Erde im Inneren der Anlage aufhäufte, so dass ein Grabhügel entstand. Die Gräben konnten bei der Ausgrabung als dunkle Verfärbungen deutlich erkannt werden.

Körpergrab mit Fundstücken - Foto: © Stephan Deiters

Außer den Brandgräbern wurden auch 35 Körpergräber entdeckt, die aus der Merowingerzeit stammen. Diese besitzen eine annähernd rechteckige Form. Bei dieser Art der Bestattung sind heute, im Gegensatz zu den Überresten der Brandbestattungen, keine Knochen mehr erhalten, da sie im Boden vollständig aufgelöst wurden. In den Frauengräbern wurde Schmuck wie Perlenketten, Fibeln, aber auch Gebrauchsgegenstände wie Messer, Scheren oder kostbare Glasbecher gefunden. In den Männergräbern fanden sich Waffen wie einschneidige Schwerter, die sogenannten Saxe, Lanzenspitzen, Äxte und Reste von Schilden sowie Alltagsgeräte wie Feuerstahl und Feuerstein als frühzeitliches Schlagfeuerzeug.

Als Besonderheit in Ense-Bremen wurden Grabschächte entdeckt, bei denen die Wände deutlich abgeschrägt sind. Auch ein Grab mit der Einhegung, die einer Acht ähnelt, ist ein besonderer Fund und deutet auf das Grab eines mächtigen Mannes hin. Die Form des Grabes ist heute als Hochbeet im westlichen Kreisverkehr dargestellt.

Glasperlenkette - Beigefäß - Axtklinge Franziska - Fotos: © Stephan Deiters

Außer den Gräbern von Menschen wurden zwölf Pferdegräber aus der Merowingerzeit gefunden. Hiervon sind noch Trensen, Metallteile des Zaumzeugs und ein Steigbügel erhalten. Die Pferdegräber werden im Zusammenhang mit dem Totenkult gedeutet, wonach möglicherweise das Pferd dem Verstorbenen im Jenseits und auf dem Weg dahin dienen sollte.

Mehrere der Gräber wurden zu unterschiedlichen Zeiten das Opfer von Grabräubern. Durch Ackerbau mit tiefen Pflügen und durch den Lehmabbau bis in das Jahr 1974 hinein wurden große Teile des Gräberfeldes unwiederbringlich zerstört.

 

Quelle: Deiters, Stephan, Das Gräberfeld von Ense-Bremen, Münster 2007.

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